Die VDI 2700 ist die zentrale Richtlinie für die Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen in Deutschland. Obwohl sie kein Gesetz im eigentlichen Sinne ist, gilt sie alsanerkannte Regel der Technik und wird von Gerichten, Polizei und Berufsgenossenschaften als Maßstab herangezogen. Wer sie nicht kennt, riskiert Bußgelder, Punkte und Haftungsprobleme.
Was ist die VDI 2700?
Die VDI 2700 ist eine Richtlinienreihe des Verein Deutscher Ingenieure (VDI), die sich mit der Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen beschäftigt. Sie besteht aus mehreren Blättern:
- VDI 2700 Blatt 1: Grundlagen der Ladungssicherung – Kräfte, Berechnungen, Methoden
- VDI 2700 Blatt 2: Ladungssicherung bei Pkw und Kleintransportern
- VDI 2700 Blatt 3.1: Geeignete Fahrzeugaufbauten
- VDI 2700 Blatt 5: Qualitätsmanagement-Systeme
- VDI 2700 Blatt 13: Schulungen zur Ladungssicherung
Die physikalischen Grundlagen
Bei der Ladungssicherung geht es um die Beherrschung physikalischer Kräfte. Die VDI 2700 definiert dabei folgende Beschleunigungswerte, die auf die Ladung wirken:
| Richtung | Beschleunigung | Beschreibung |
|---|---|---|
| Nach vorne | 0,8 g | Vollbremsung – 80% des Ladungsgewichts |
| Zur Seite | 0,5 g | Ausweichmanöver, scharfe Kurven |
| Nach hinten | 0,5 g | Auffahrunfall, starkes Beschleunigen |
„Bei einer Vollbremsung aus 80 km/h drückt eine 1-Tonne-Palette mit einer Kraft von 800 kg nach vorne. Das entspricht der Wucht eines Kleinwagens."
Methoden der Ladungssicherung nach VDI 2700
Die Richtlinie unterscheidet vier grundlegende Sicherungsmethoden:
1. Formschlüssige Sicherung
Die Ladung wird lückenlos an die Stirnwand oder andere Ladungseinheiten geladen. Die effektivste und einfachste Methode – sollte immer die erste Wahl sein.
2. Kraftschlüssige Sicherung (Niederzurren)
Die Ladung wird mit Zurrgurten auf die Ladefläche gepresst. Die erhöhte Reibung verhindert ein Verrutschen. Wichtig: Es werden meist deutlich mehr Gurte benötigt als gedacht.
3. Direktzurren
Gurte oder Ketten werden direkt an der Ladung befestigt und halten sie in Position. Effektiver als Niederzurren, erfordert aber geeignete Zurrpunkte an der Ladung.
4. Kombinierte Sicherung
In der Praxis die häufigste Methode: Formschluss nach vorne (an die Stirnwand), Niederzurren gegen seitliches Verrutschen, Direktzurren bei speziellen Gütern.
VDI 2700 Blatt 13: Die Schulungspflicht
Besonders relevant für Unternehmer: VDI 2700 Blatt 13 definiert die Anforderungen an Schulungen zur Ladungssicherung. Demnach müssen alle Personen, die mit dem Verladen und Sichern von Gütern betraut sind, eine qualifizierte Schulung erhalten.
📋 Schulungsinhalte nach VDI 2700 Blatt 13
Physikalische Grundlagen, rechtliche Vorschriften, Sicherungsmethoden, praktische Übungen, Zurrmittelberechnung und eine Abschlussprüfung mit Zertifikat.
Wer braucht eine VDI 2700 Schulung?
- LKW-Fahrer und Berufskraftfahrer
- Fuhrparkleiter und Disponenten
- Verlader und Lagermitarbeiter
- Unternehmer und Geschäftsführer
- Fahrer von Kleintransportern (3,5t und darunter)
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Die VDI 2700 ist kein trockenes Regelwerk – sie ist der Schlüssel zu sicherer und rechtskonformer Ladungssicherung. Wer die Richtlinie kennt und umsetzt, schützt nicht nur sich selbst und andere Verkehrsteilnehmer, sondern auch sein Unternehmen vor kostspieligen Konsequenzen.